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Bericht vom Solutionscamp 2014 Hamburg

Heute möchte ich euch kurz vom gestrigen Solutionscamp berichten, auf dem gefühlt die gesamte IT-Szene Hamburgs bei Silpion an der Elbe zu Gast war.

Mittags wurden wir bei schönstem Sonnenschein von Nerd-gerechten Seifenblasen in Form von Nullen und Einsen begrüßt, die typisch hamburgerisch durch die Luft gewirbelt wurden.

Auch dieses Jahr wieder ein Dank an die liebevolle Kinderbetreuung! Tolles Schminken, basteln, spielen und dazu noch eine große Hüpfburg – ein Traum! Ich bin mir sicher so mancher Papi war neidisch 😉 Mit Mami mitgehen kam also überhaupt nicht in Frage, und so konnte ich mich ins Getümmel stürzen.

So richtig los ging es dann kurz nach eins im großen Zelt mit der Planung für den Barcamp-Track des Solutionscamps. Erste Mutige präsentierten ihre Session-Vorschläge, und anschließend war da noch gut Platz auf dem Board. Also habe ich mich spontan hinreißen lassen, eine Session zu “Beyond Estimation” anzubieten. Große Erleichterung meinerseits nachdem es doch zahlreiche “analoge Likes” in der Meute dafür gab. Der Plan war also gemacht mit einem bunten Blumenstrauß an Sessions, und mein Slot stand um 17:30 Uhr an.

Nahtlos folgte dann die Keynote von Sascha Lobo, den ich bisher nur aus meiner Sonntagszeitung kannte. Irgendwie war ich ja glatt auf einem Platz in der ersten Reihe gelandet, von wo aus ich tatsächlich die Folien lesen konnte, die dank des hellen Sonnenscheins draußen eher blass waren. Unterhaltsam (“Hamburg ist die Erwachsenen-Version von Berlin”) aber mit viel Tiefgang erläuterte er uns seine These:

Die Gemeinde der Software-Entwickler baut gerade an etwas größerem, als Ihnen bewusst ist.

Sascha Lobo's Keynote

Los ging es mit der Mehrwertsteuer auf das neueste iPhone-Modell und dann gleich weiter zu Karl Marx. Endlich zahlt sich die tiefgreifende Bildung diesbezüglich aus der DDR-Schule aus 😉 Anhand vieler Beispiele aus unserem Alltag zeichnete er eine nicht allzu weit entfernte Zukunft um einen Netz-Mehrwert: Plattform-Kapitalismus – Vereinfachung der Angebotsabgabe, Versteigerung der Nachfrage. Die Details könnt ihr sicher auf der Silpion-Seite nachlesen. Was blieb ist der Appell an die

“Ethik der Vernetzung!”

Vor allem als Bitte an die Entwickler, bei allem Enthusiasmus ein wenig stärker im Auge zu behalten, was man mit Hilfe dieses nächsten von ihnen gebauten Mosaiksteinchens anstellen könnte (Vernetzung der Daten über die persönliche Zahnhygiene mit der Krankenversicherungsakte noch eines der harmloseren Beispiele), um hier weitestgehend vorzubeugen. Der Vortrag hatte offenbar den Nerv des Publikums getroffen, denn es gab kräftigen und anhaltenden Applaus.

Da mit etwas Verspätung gestartet wurde, ging praktisch eine Minute später das Solutionscamp los. Hier offenbarten sich sehr schnell gewisse Bottlenecks zwischen Hof und Session-Räumen, die den Ansturm nicht verkrafteten. Die meisten Sessions waren dann direkt überfüllt, so dass sich – ausgestattet mit einem leckeren Soja-Latte vom Reggae-Barista – Networking in der Sonne anbot. Hier hatte ich dann auch Gelegenheit, mir kurz ein paar Notizen zu meiner Barcamp-Session zu machen, so dass ich dann nicht gänzlich unvorbereitet sein würde.

Zur 15:30 Uhr Session zog es mich dann ins Haus, nämlich zu Patrick Klingberg’s SEO Site Clinic. Hier gab es jede Menge praktische, direkt umsetzbare Tipps, um sein SEO-Ranking zu checken und verbessern und auch eine kurze Live-Einschätzung unserer Websites. Mit seinem Experten-Blick auf diesen Blog hier bestätigte er dann auch prompt was ich im Grunde schon ahnte, nämlich dass es SEO-mäßig noch ein paar Potentiale gibt 😉 Hier und da stehen also ein paar Renovierungsarbeiten an.

In der Pause knurrte dann doch langsam der Magen. Es gab leckere Muffins die leider alle waren, als ich da war. Danke an meinen edlen Ritter Christian Stamm der mir selbstlos seinen schenkte 🙂 Made my day!

Als nächste Session ging ich zur Diskussionsrunde “Implementing Wissensmanagement” mit Gerhard Wagler. Eingangs befragte er alle Teilnehmer, wie in Ihren Firmen Wissensmanagement etabliert sei (theoretisch und praktisch) mit einem recht niederschmetternden Resultat, dass es allenfalls wenig, und dann auch nur theoretisches gibt. Anhand des nun vorgestellten Probst’schen Bausteinmodells des Wissensmanagements folgte eine kurze Diskussion. Offenbar gibt es im Bereich Wissensmanagement dasselbe Problem wie in jeder WG-Küche: Wenn alle verantwortlich sind, bleibt der Abwasch doch liegen. Auch wenn es überall engagierte Leute gibt, reicht das meist nicht aus wenn diese Wissensmanagement nur nebenbei betreiben. Gerhard’s Empfehlung ging in Richtung technische Redaktion, um Standards zu setzen, deren Einhaltung zu unterstützen und allgemein die Wissensströme in die richtigen Bahnen zu lenken.

Als letzte Session stand nun meine eigene Spontan-Session zum Thema “Beyond Estimation” an. Alle Stühle waren besetzt und los ging’s. Gestartet haben wir mit der häufig fehlenden Korrelation zwischen Schätzgrößen (z.B. Story Points) und den mit der Implementierung tatsächlich verbundenen Aufwänden bzw. Dauer. Ich offenbarte meine persönliche “Schätzkrise” und stellte den Teilnehmern eine mögliche Alternative vor, die aus der Kanban-Community stammt – Beyond Estimation. Vom German Tank Problem ging es zu Lead Time Distributions, der Grundannahme der Gleichverteilung der Lead Times über die Zeit hinweg zu einer einfachen Vorhersagemöglichkeit. Details schreibe ich gern in einem separaten Blog Post. Auf Nachfrage hin konnte auch keiner der Teilnehmer meine Schätzkrise heilen… Wir hatten eine sehr angeregte Diskussion, und das Modell stieß auf einige Akzeptanz. Genug um es zumindest als zusätzliche Datenquelle für Vorhersagen zu nutzen. Wenn ihr es ausprobiert – lasst mich wissen wie es gelaufen ist. Danke an die Teilnehmer für eine interessante, aktive und offene Session!

Sommerfest bei NachtNun war das Barcamp zu Ende und es war Zeit, mal wieder nach dem Nachwuchs zu schauen. Nach Hüpfen und basteln war dann doch der Akku leer, und wir haben uns in die leider unsäglich lange Warteschlange am Buffett eingereiht. Nach kleiner Stärkung haben wir uns dann noch etwas unter’s Volk gemischt und erstaunlich viele bekannte Gesichter getroffen, einige neue Bekanntschaften geschlossen und nette Gespräche geführt.

Alles in allem ein sehr gelungener Nachmittag und Abend – danke Silpion, ihr wart wieder ein toller Gastgeber, bis zum nächsten Jahr!

 

 

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